Panoramabahn – gute Aussichten auf eine neue S-Bahn? Oder wird das ein Millionengrab?

Die Panoramabahn beschäftigt seit langem den Verband Region Stuttgart. Manchen träumte es davon, dass diese Strecke, welche die DB nach Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels aufgibt, vom VRS übernommen werden soll. Und das, obwohl die DB diesen Streckenabschnitt heruntergewirtschaftet und nur so unterhalten hat, dass er bis zum geplanten Betriebsschluss funktionsfähig bleibt. Auch das Land Baden-Württemberg hat ein Interesse, diese Trasse aufrecht zu halten. Gleichwohl muss man sehen, dass so gut wie keine funktionsfähigen Haltepunkte vorhanden sind, um eine Erschließungsfunktion zu erreichen.

Die aktuelle Beschlussfassung im Verband, an der wir Freien Wähler maßgeblich Anteil haben, lautet daher: Die Strecke der Panoramabahn ist für den Notfallbetrieb der S-Bahn interessant. Daher wird jährlich ein Betrag der DB zur Verfügung gestellt, um die Betriebsfähigkeit sichern zu helfen. Der VRS steigt aber nicht in eine Infratsrukturgesellschaft zum Betrieb der Strecke ein.

Darauf aufbauend hat die Verbandsverwaltung Untersuchungen in Auftrag gegeben, wie es gelingen könnte, unter der Maßgabe der Beschlusslage, die Panoramabahn in Betrieb zu halten. Der Schlüssel zum Glück könnte eine neue S-Bahnlinie sein, die von Heimerdinge nach Stuttgart-Vaihingen führt. Diese würde der nach den üblichen Konditionen betreiben. Das setzt voraus, dass das Land oder die DB die Panoramabahn sanieren und für den S-Bahnbetrieb ertüchtigen und auch betreiben. Gleichzeitig müssten drei Haltepunkte neu geschaffen werden, wozu die Landeshauptstadt Stuttgart Planungsrecht schaffen müsste. Mit diesen drei S-Bahnhaltepunkten würde sich eine innerörtliche Erschließungsfunktion ergeben, welche zu einer besonderen Mitfinanzierung von Stuttgart führen würde.

Mit Gesamtkosten in Höhge von 310 bis 400 Mio. € ist zu rechnen. Eine wetere funktionierende tangentialähnliche und die Stammstrecke entlastende S-Bahnlinie könnte das wert sein. Dennoch.. viele Fragen sind noch offen und einige Partner müssen noch mit ins Boot geholt werden.

Noch ist nichts entschieden. Wir Freien Wähler haben am 05.11.2025 beantragt, die Beschlussfassung auf den nächsten Verkehrsausschuss zu vertagen, was eine Mehrheit fand.

Dies sagte unser Sprecher im Verkehrsausschuss, Regionalrat und Plochinger Bürgermeister Frank Buß, dazu:

„Bei der Panoramabahn tickt die Uhr, denn sie soll Anfang 2027 außer Betrieb genommen werden. Dies darf jedoch nicht zu hektischen Aktionismus führen. Zumal diese Untersuchung die ursprüngliche Geschäftsgrundlage erheblich verändert. Geschäftsgrundlage im Oktober 2019 war, dass im Störungsfall auch S-Bahnzüge im Haltepunkt Nordbahnhof halten, enden und wenden können. Im VA am 19. Juli 2023 wurde der Kooperationsvereinbarung zugestimmt. Ziel war die Panoramabahn zu erhalten und als nichtbundeseigene Eisenbahn weiter zu betreiben. Der VRS hat sich nur im Interesse der in seiner Aufgabenträgerschaft befindlichen regionalen Eisenbahnverkehre beteiligt. Die LHS hat ausgeschlossen, ein Eisenbahninfrastrukturunternehmen zu werden. Die DB hat bis zur Inbetriebnahme der Gäubahnführung über den Flughafen maximal 16 Mio. € für den Erhalt der Panoramabahn zugesagt. Wir haben den gemeinsamen Untersuchungen zugestimmt, um die Panoramabahn als Ausweichroute für die S-Bahn bei Störungen zu sichern. Diese Untersuchung kommt nun zum Ergebnis, dass nur eine Option – die Verbindung von Heimerdingen bis Stuttgart-Vaihingen – tatsächlich aussichtsreich ist, wobei die Sitzungsvorlage zeigt: Es bestehen erhebliche Risiken!

  • Als Bezugsjahr wurde 2035 angenommen. Die Untersuchung vom August 2023 geht von einer Sanierung in Abschnitten aus, die nach 2041 fertiggestellt wird.
  • Es wird die Umsetzung von DKS 3 zumindest in den Planbereichen 1 (Böblingen) und 6 (Zuffenhausen) und die Fertigstellung des Pfaffensteigtunnels vorausgesetzt.
  • Das Betriebskonzept sieht 28 Züge pro Stunde und Richtung auf der Stammstrecke voraus. DKS 1 ist im Bau, DKS 2 und 3 sind in Planung. Praktische Erfahrungen mit ETCS gibt es derzeit nicht.
  • Die Panoramabahn muss grundlegend saniert werden. Ist das Land BW bereit, dieses Projekt zu verantworten? Gibt es konkrete Zusagen?
  • Es sollen 3 S-Bahn-Stationen (Heilbronner Straße, Lenzhalde und Herderplatz) neu gebaut werden. Bei einem Vor-Ort-Termin haben wir gesehen, dass die Schienen tief im Gelände eingeschnitten sind. Es gibt schon aus technischer Sicht (Barrierefreiheit, Parkplätze, Stellplätze für Fahrräder usw.) Zweifel, ob diese Stationen gebaut werden können. Auch in der Präsentation im August 2023 wurde auf aufwändige Zugänge und Stützwände hingewiesen. Angesichts der engen Besiedlung bestehen weitere Zweifel, ob überhaupt Planungsrecht geschaffen werden kann. Gibt es positive Signale der LHS. Wer soll die Stationen bauen und betreiben?
  • Die Stationen an der Strohgäubahn müssen umgebaut, die Strecke elektrifiziert und ein 2,6 Kilometer langer Streckenabschnitt 2-spurig ausgebaut werden. Wer baut dies?

Die Sitzungsvorlage basiert auf zahlreichen Annahmen und fast alle Fragen bleiben offen. Es gibt keine verbindlichen Aussagen, wie realistisch diese Annahmen sind.

Keine Aussage gibt es zu den Kosten der weiteren Untersuchungen. Die Risikobetrachtung für ein Projekt mit über 300 Mio. € Investition mit gerade 7 Zeilen ist unzureichend und ist keine Grundlage für eine fundierte Bewertung. Die völlige Neuausrichtung des Projektes erfordert eine Diskussion in unserer Fraktion. Deshalb stellen wir folgenden Geschäftsordnungsantrag:

Die Entscheidung über die Ziffern 2 und 3 der Sitzungsvorlage wird zurückgestellt. Die Geschäftsstelle wird beauftragt, die offenen Fragen in einer Sitzungsvorlage zu beantworten und eine umfassende Risikobetrachtung beizufügen.“

 

Termine

Freie Wähler in der Region Stuttgart