„Ja schwätzed die net miteinander?“ Der Zukunftskonvent soll helfen, den Strukturwandel zu erleichtern…
… aber braucht es dieses weitere Veranstaltungsformat? … sprechen diejenigen, die dort zusammen komen sollen nicht miteinander? … braucht es dazu den Verband? Regionalrätin Dr. Annette Silberhorn-Hemminger zeigt auf, was es wirklich braucht und was nicht Eine weitere Gesprächsrunde, die suggeriert, dass man etwas tut. Damit der Zukunftskonvent nicht hinter seinen Erwartungen zurückbleibt, müssen sie zunächst einmal benannt werden. Das macht unsere Sprecherin glockenklar. Hier ihre lesenswerte Rede:
„… die Vorlage zum Zukunftskonvent beschreibt treffend die Herausforderungen, vor denen
unsere Region steht, aber auch ihr Potentiale. Der Ansatz, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik noch stärker zu vernetzen, ist grundsätzlich sinnvoll. Austausch, Kooperation und ein gemeinsames Verständnis sind wichtige Voraussetzungen, um die richtigen Entscheidungen zu treffen – sei es im eigenen Entscheidungs-Spielraum, oder als Impulsgeber für andere Akteure.
Aber man muss sich schon fragen, gibt es das noch nicht? Es mutet seltsam an, dass
diejenigen, die gemeinsame Mit-Verantwortung für Arbeitsplätze, für Innovation, letztlich
den Wohlstand haben, bisher nicht miteinander sprechen und erst durch den Verband
Region Stuttgart an einen Tisch zu einem Zukunftskonvent geholt werden.
Die Zielsetzung des Konvents ist klar: Handlungsbedarfe schärfen, ins Handeln kommen und
die Region als wichtigen Partner etablieren und deren Wahrnehmung stärken.
Für uns Freie Wähler gilt: Ein solches Format ist grundsätzlich zu begrüßen, auch die
Zielrichtung. Messen lassen muss sich das neue Format an den konkreten Ergebnissen, die wir erwarten.
Dabei wird entscheidend sein, welche Flughöhe das Format einnehmen wird.
Ist die Flughöhe zu hoch, besteht die Gefahr, im Unverbindlichen und im Ungefähren zu
verharren. Das Potential des Zukunftskonvents wäre damit vertan. „Außer Spesen, nichts
gewesen.“
Ist die Flughöhe zu gering, verliert man sich schnell im Detail und im Klein-Klein und vergibt
ebenfalls Chancen, die das Format bieten kann.
Die richtige Flughöhe finden – das ist die Kunst und genau dabei haben wir noch Zweifel.
Uns fehlt die strategische Klarheit, wie die ambitionierten Ziele mit dem Zukunftskonvent
und seinen Prozess-Bausteinen tatsächlich erreicht werden können. Vieles bleibt im
Ungefähren – und damit im Ungewissen. Bis zum Start im Juni muss es konkreter werden. Denn die Auftaktveranstaltung am 15. Juni muss sitzen. Sie muss die Beteiligten motivieren, sich in den weiteren Prozess einzubringen und aktiv an Lösungen mitzuarbeiten. Der weitere Erfolg des Zukunftskonvents hängt entscheidend von der inhaltlichen Vorbereitung und einer klaren Struktur ab – auch mit Blick auf die folgenden Veranstaltungen und die angestrebten Ziele.
Mit dem neuen Format sollen keine Doppelstrukturen entstehen. Das begrüßen wir
ausdrücklich. Dann muss aber auch gelten:
• Synergien nutzen, statt das Rad neu erfinden
• keine zusätzlichen Netzwerkformate ohne klaren Mehrwert schaffen
• und nicht schon wieder etwas „on top“
Oder wie im Infomagazin des VRS zu lesen ist: „Mehr Mut zu ehrlichen Prioritäten und
Investitionen – auch, wenn es unbequem ist.“ (Infomagazin des VRS, 01/2026)
Die Kommunen finanzieren die Region über die Umlage – jeder zusätzliche Aufwand bindet
Mittel, die an anderer Stelle fehlen. Zur Finanzierung möchten wir betonen, dass wir Freie Wähler eine Mitfinanzierung der Partner wie beim Strukturbericht als angemessen und notwendig erachten. Wir finden, die Region muss diesen Prozess nicht allein finanzieren. Wir erwarten nicht nur eine inhaltliche
Teilnahme, sondern auch eine finanzielle. So entstehen das notwendige Interesse und die erforderliche Verbindlichkeit der Akteure.
Die Wirtschaft in unserer Region steht unter erheblichem Druck. Der Strukturwandel ist real – und er verlangt konkrete Antworten, keine unverbindlichen Gesprächsrunden. Der Zukunftskonvent ist ein interessanter Ansatz. In der jetzigen Form aber noch zu unkonkret. Die Bezeichnung „Konvent“ assoziiert eine ruhige, spirituelle, eher in sich gekehrte klösterliche Atmosphäre. Das ist nicht so ganz unsere Vorstellung, aber vielleicht ein bewusst gewählter Gegenpol zu den Think Tanks, Workshops und Maker Spaces. Wie auch immer – auf das Ergebnis kommt es an.
Unser Credo, das wir auch in unseren Haushaltsanträgen zur Wirtschaftsförderung
gebetsmühlenhaft, um im Konvent Bereich zu bleiben, wiederholten: Auf die Wirkung, auf
den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Impact kommt es an.
Daher erwarten wir:
• eine klare Konkretisierung bis zur Auftaktveranstaltung
• eine strukturierte und realistische Ausgestaltung des weiteren Prozesses
• eine angemessene Mitfinanzierung durch die beteiligten Partner
• und den Mut, Prioritäten zu setzen, auch wenn es unbequem ist
Denn nur wenn wir unsere Kräfte bündeln und uns auf das Wesentliche konzentrieren,
können wir den Strukturwandel in unserer Region aktiv und erfolgreich mitgestalten.
Dies gilt für den Zukunftskonvent ebenso, wie für die heute mit zur Abstimmung
anstehenden Beschlussfassung der Eckpunkte des Förderprogramms Zukunftstechnologien.
Beiden Vorlagen stimmen wir zu, unsere Erwartungshaltung zu den Beschlüssen ist klar.“













