Die regionale Wahrnehmung stärken – Marketing und Information im Spannungsfeld der wirtschaftlichen Situation

Keine Frage, der Grundsatz „tue Gutes und spreche darüber“ gilt immer. Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Aber ist es notwendig, eine Kampagne für rund 500.000 € auf den Weg zu bringen, um möglicherweise langfristig Synergieeffekte zu heben? Und werden nicht genau durch das Vorgehen der Verbandsgeschäftsstelle zunächst genau solche Strukturen geschaffen? Wir Freien Wähler haben uns intensiv mit der Frage der notwendigen Selbstdarstellung der Verbandsarbeit beschäftigt. Auch Eingedenk der vielen Aktivitäten der vergangenen Jahre, die wir immer mit Augenmaß mitgetragen haben.

Aber was ist notwendig, was ist wünschenswert und was kann man lassen? Was ist der richtige Weg, sich konstruktiv einzubringen oder die Vorlage rundweg abzulehnen? Letzteres immer eine Option, wenn unsere Vorschläge keine Mehrheit finden. Um deutlich zu machen, dass uns Freien Wählern mit unserer starken Verankerung in der kommunalen Familie einerseits wichtig ist, unnötige finanzielle Belastungen zu vermeiden, andererseits aber auch den Erfolg von Maßnahmen sicherstellen zu helfen, haben wir einen umfangreichen gut begründeten Antrag zur Änderung der Beschlussfassung eingereicht. Hier der Antragstext im vollen Wortlaut: Antrag Freie Waehler

Dabei lag uns vor allem am Herzen, dass der Verband mit seinen regionalen Partnern spricht und sie nicht vor vollendete Tatsachen stellt. Warum beschließt ein Ausschuss ein Konzept, um es anschließend mit Partnern zu optimieren? Warum nicht im Vorfeld einbinden und besser starten? Und warum jetzt diese Aktivitäten entfalten? In welchen Bereichen wird die Verbandsarbeit nicht ausreichend wahrgenommen?

Die Diskussion im Ausschuss brachte es ans Licht, welche Fraktionen es ernst meinen, mit der Rücksichtnahme auf diejenigen, die die regionale Umlage bezahlen.

Nachdem Regionaldirektor Dr. Lahl seine Vorlage vorgetragen hatte, machten die Fraktionen in ihren Statements deutlich, wie sie die Situation einschätzen. Der Verband sei zu wenig sichtbar, die regionale Identität würde nicht vorhanden sein, mehr Internationalisierung sei notwendig war dabei von den anderen Parteifraktionen zu hören. Durchaus überlegenswerte Themen – aber warum jetzt? Warum werden zunächst Doppelstrukturen aufgebaut, anstatt sie von vornherein zu vermeiden? Welche Leistungen werden dem Verband nicht zugerechnet? Ist eine zentrale „Regionsseite“ ein echtes Bedürfnis? Wer liefert den Inhalt für die regionale Content-Page? Warum spricht man nicht mit denjenigen, die seit Jahrzehnten erfolgreich die Sichtbarkeit der Region in ihren Bereichen leisten zunächst und verbessert Vorhandenes, anstatt Neues zu schaffen, das sich erst etablieren muss, um dann „mittelfristig Einspareffekte zu erzielen“, wie der Regionaldirektor ausführte.

Nun denn… den Antrag haben wir gestellt. Dennoch: Der Antrag der Freien Wähler wurde von den anderen Parteifraktionen – bis auf eine – abgelehnt. Der Antrag der Verwaltung wurde gegen unsere Stimmen beschlossen.

Fraktionsvorsitzender und OB a.D. Andreas Hesky dazu: „Es ist sehr bedauerlich, wie wenig ernst es die anderen Fraktionen mit ihren Bekenntnissen, auf die Umlagefinanzierer Rücksicht zu nehmen, meinen. Wir haben trotz der vielen Hinweise aus den Reihen der Freien Wählern aus der kommunalen Familie, diese Aktion einzustellen, dazu entschieden, Mit-Verantwortung zu übernehmen und dazu beizutragen, die eingesetzten Mittel besser einzusetzen und bevor allem erst dann, wenn sichergestellt ist, dass sie wirksam sind. Denn es war abzusehen, dass die anderen Fraktionen dem Antrag zustimmen werden. Und ablehnen konnten wir immer noch. Was wir dann auch taten, um zumindest ein Zeiche zu setzen.“

Das sagte Fraktionsvorsitzender Andreas Hesky in der Sitzung: „Wir Freien Wähler haben uns ausführlich mit der geplanten Kampagne beschäftigt. Der Verband und seine Sichtbarkeit liegen uns am Herzen. Wir sehen aber auch, dass der VRS einer von vielen Organisationen und Playern im Verbund mit Kommunen und Kreisen ist. Und wir fragen uns auch, wo wir nicht oder zu wenig wahrgenommen werden. Und wir haben auch kein Selbstbewusstseinsproblem. Dennoch ist auch uns klar, dass Gutes besser gemacht werden kann. Aber wir brauchen keine Doppelstrukturen und wollen vorhandenes Potential nutzen. Ganz im Sinne der Vorlage… Effizienz durch Synergien.

In der Vorlage ist viel von Image und Renomée die Rede… bekommt man, indem man gute Arbeit macht… die macht der VRS. Aber: Der VRS hat nur wenige Leistungen, die er allein – und die ihm auch nur allein zugerechnet werden können – als VRS leistet. Das sind S-Bahn und Express-Busse… die spüren die Menschen und das weiß man, dass der VRS für die S-Bahn und die Relex-Busse verantwortlich ist. Weitere Leistungen sind Regionalverkehrsplanung, Regionalplanung… Windkraft und FreiflächenPV … werden dem VRS zugerechnet. Ganz ohne Kampagne.

Und viele andere Leistungen, wie bspw. Landschaftspark, touristische Projekte, Sport, Tourismus… machen wir im Verbund mit unseren Beteiligungsgesellschaften und mit den Kommunen und Kreisen. Das wird sich und soll sich auch künftig nicht ändern. Und das rechnet man uns auch zu. Ob es dafür eine weitere Kampagne braucht… aus unserer Sicht eher nicht – zumindest nicht jetzt. Denn die Beteiligungsgeselleschaften und regionalen Vereine leisten diese Arbeit. Daher werden wir wahrgenommen als Wirtschafts-/Kultur-/Sport-/Tourismus-Region.

Es stellt sich schon auch die Frage, ob es eine regionale Identität gibt, wie sich diese auszeichnet. Werden sich die Menschen je als Bewohner der Region Stuttgart bezeichnen oder als Bewohner ihrer Heimatkommune? Die Menschen suchen eher Verortung in der kleinsten Einheit. Was auch verständlich ist. Man ist doch stolz auf seinen Ort, seine Gemeinde oder Stadt, zum Teil auf seinen Stadtteil. Eine „regionale Identität“ zu erzeugen, gelingt nicht durch Werbekampagnen oder Mitmachaktionen und wird mit 500.000 € nicht geschaffen können, vielleicht einmal nicht mit deutlich viel mehr Geld. Und dass sich 2,7 Mio. Menschen als „Regionauten“ oder Bewohnerinnen und Bewohner der Region Stuttgart bezeichnen und dann erst als Waiblinger, Esslinger, Ludwigsburger, Holzgerlinger… das wird vermutlich mit keinem Geld der Welt erreichbar sein. Und das ist auch nicht schlimm.

Noch ein Wort zu Stuttgart: Wenn diese Passage nicht enthalten wäre, würde es nicht zu Rückfragen führen, aber so stellt sich die Frage, warum darauf hingewiesen wird, dass Stuttgart „nicht dabei ist“ – sind es denn die anderen 178 Kommunen in der Region? Verbirgt sich hinter der Kapagne des Verbands doch eine CI-Kampagne geplant? Und was macht das Dachmarken-Konzept?

Kurzum: Wir sehen die Region in einer guten Situation. Nach über 30 Jahren ist sie eine feste und verlässliche Größe. Sie wird national und international via WRS, Regio GmbH und den regionalen Vereinen wahrgenommen. Eine nach innen wirkende Imagekampagne halten wir nicht für notwendig. Wir wollen weiterhin gute Arbeit leisten und durch diese wahrgenommen werden.

Wir sehen durchaus Potential, bestehende Aktionen zu verbessern und einzubinden. Daher versperren wir uns nicht grundsätzlich gegen die Aktion, wollen aber zunächst die regionalen Partner einbinden und überzeugen und nicht nach einem politischen Beschluss „gezwungenermaßen“ gewinnen. Daher haben wir einen konstruktiven Antrag gestellt, um die Aktion weiterzuentwickeln und in die Mitverantwortung zu gehen, für den wir um Zustimmung bitten“.

Termine

Freie Wähler in der Region Stuttgart