Stuttgart 21 … oder wie ein gutes Projekt unter die Räder kommt… wie sehen es die Freien Wähler?
Der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart hat sich in seiner Sitzung am 01. Juli 2026, die zu diesem Tagesordnungspunkt als gemeinsame Sitzung mit dem Ausschuss Stuttgart 21/Rosenstein der Landeshauptstadt Stuttgart durchgeführt wurde, ausführlich mit dem Ergebnis des Lenkungskreises beschäftigt. Die Ergbnisse waren bereots im Vorfeld durchgesichert und öffentlich gemacht worden. Daher kamen keine neuen Überraschungen zutage. Das ist bei S21 leider nicht selbstverständlich 😉. Die Vertreter der Deutschen Bahn (PSU/InfraGO) haben die Situation offen dargelegt und auch Versäumnisse im Projektmanagement eingeräumt. Dabei sind insbesondere vier Themenfelder relevant, welche zu der erneuten Verzögerung führen. Die Digitalisierung ist komplexer als gedacht, Planungsprozesse sind nicht ausreichend fortgeschritten, das neue Technikgebäude von 2013 ist nicht mehr passend für den aktuellen Bedarf und es wurde zu spät auf die Normänderung bei der (Not-)Stromversorgung reagiert. Diese Präsentation wurde gezeigt, ein Blick darauf lohnt sich: https://www.bahnprojekt-stuttgart-ulm.de/resource/blob/13957438/9acbc79552133e70df6c8af15a5de64c/20260626_Praesentation-Lenkungskreis-Stuttgart-21-data.pdf
Manche Regional- und Stadträtinnen und -räte nutzen wieder einmal die Gelegenheit, zu einer Generalabrechnung mit S21. Leider bietet die Bahn auch immer wieder die Chance dazu. Dennoch macht es keinen Sinn, eine Diskussion zu führen, über Dinge, die schon lange entschieden sind, wie unser Sprecher im Ausschuss, Regionalrat und Plochinger Bürgermeister Frank Buß, sagte. „Wenn S21 nicht gekommen oder der Bürgerentscheid anders ausgegangen wäre, hätten wir dennoch viele andere Baustellen zu bewältigen gehabt, die ebenso zu Verdruß geführt hätten. Außerdem wäre die Integration des Stuttgarter Hauptbahnhofs in das Europäische Schienennetz nicht verbessert wirden. Das gerät gerne in Vergessenheit. Wir hätten auch keine Digitalisierung, keinen Umbau des Kopfbahnhofs, müssten die Filstalstrecke sanieren und vieles mehr. Lassen Sie uns den Blick auf die Tatsachen richten und auch nach vorne schauen, um die Entscheidungen treffen zu können, die heute notwendig sind.
Und das gleich vorneweg: Die erneute Verschiebung der Eröffnung von S21 hat Auswirkungen auf die bereits beschlossenen Planungen und Vorhaben zum Ausbau des S-Bahn-Netzes. Projekte, für die wir Freien Wähler uns mit Herzblut eingesetzt haben, werden nach hinten geschoben. Das ist bitter. Um zu wissen, woran wir sind, stelle ich für die Fraktion der Freien Wähler diesen mündlichen Antrag: „Die Verbandsgeschäftsstelle möge im Herbst 2026 aufzeigen, welche Auswirkungen der neue S21 Zeitplan auf die in Planung befindlichen Projekte im S-Bahnnetz des VRS hat.“
Außerdem stellt sich für uns die Frage, ob denn die Grundlagen für die Ausschreibung des S-Bahn-Vertrags überhaupt noch stimmen? Sicher wird die Vebandsgeschäftsstelle darauf eingehen.
Für uns Freie Wähler in die Region und auch im Gemeinderat der Landeshauptstadt Stuttgart steht fest:
– S21 ist ein sehr gutes Infrastrukturprojekt, das die Anbindung der Region Stuttgart deutlich verbessert.
– S21 macht den Flughafenbahnhof und den Pfaffensteigtunnel möglich und stärkt damit transmodale Verkehre
– S21 und der Digitale Knoten Stuttgart bringen Verbesserungen im S-Bahn-Netz
– S21 ist ein Stadtentwicklungsprojekt für die Landeshauptstadt mit regionaler Strahlkraft
– Leider ist es durch Managementfehler in dramatische Schieflage geraten
– Wir setzen darauf, dass die Bahn mit Frau Palla an der Spitze nun liefert, Zusagen einhält und S21 im nun vorgestellten Rahmen fertiggestellt wird
– Angesichts des bisherigen Verlaufs des Projekts fragen uns ob vielleicht doch ein Kombibahnhof sinnvoll gewesen wäre – den auch wir bisher strikt abgelehnt haben – und ob S21 in der versprochenen Leistungsfähigkeit funktioniert? Leider ist das Vertrauen in die Bahn als Bauherrin tief erschüttert.
Das brachte auch Freie Wähler Stadtrat Michael Schrade klar zum Ausdruck: Die Freien Wähler im GR sind zutiefst enttäuscht… und wir wissen nicht, ob das aufgezeigte Szenario tatsächlich Bestand hat. Eine Zumutung für Reisende und die Landeshauptstadt. Die Entwicklung des Rosensteinviertels wird um Jahre zurückgeworfen. Stutzig machen die Aufgezeigten Themenfelder, die nun zu Verzögerungen führen, wie die Normänderung bei der Notstromversorgung. Warum wurden solche Themen nicht umgehend angegangen? Und vermutlich wird das nicht das einzige gewesen sein, bei dem solche rechtliche Veränderungen zu Verzögerungen geführt haben. Die Bahn baut seit 16 Jahren… diese Baustelle ist eine Zumutung für die Stadt. Der Digitale Knoten Stuttgart wird vermutlich mit Risiken verbunden sein. Ich habe die Sorge, ob dieses hochkomplexe System tatsächlich funktioniert und die Leistungsfähigkeit im versprochenen Umfang erhöht.
Und klar ist auch, es wäre ein Horrorszenario, wenn wir uns in 2 oder 3 Jahren wieder treffen würden, um einen neuen Zeitplan zu beraten. Wichtig zu wissen, ist, ob die bestehende Technik noch bis zur Fertigstellung von S21 durchhält? Denn 5 oder 6 Jahre sind lang. Außerdem bitte ich um Info, was aus dem ITS am Bahnhof wird, so Michael Schrade abschließend.
Nachfolgend die Ausführungen in voller Länge von unserem Sprecher im Ausschuss, Regionalrat und Plochinger Bürgermeister Frank Buß:
„Spiegel Online zitiert die Bahnchefin Evylin Palla am 26. Juni 2026 folgendermaßen: „Transparenz ist manchmal schmerzhaft, Aufklärung kann manchmal frustrierend sein. Wir machen reinen Tisch und sagen, was ist“ Die Esslinger Zeitung titelt an diesem Tag mit „Schmerzhaft und ernüchternd“. Der Bericht wird als „Geschäftsgeheimnis“ allerdings nicht veröffentlicht. Die Untersuchung sollen jedoch erhebliche Versäumnisse offengelegen.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind eine Katastrophe – nicht nur für die Region Stuttgart und die ÖPNV-Nutzer im Verbandsgebiet, sondern für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Es ist eine Katastrophe, weil sich ein gutes, durch Bürgerentscheid legitimiertes Zukunftsprojekt durch beispiellose Managementfehler und erhebliche Defizite bei der technisch-baulichen Projektsteuerung ständig verzögert und verteuert.
Mein Glaube an die Kompetenz hochdotierter Manager aus der Wirtschaft, die oft mit großer Überheblichkeit auf den öffentlichen Dienst herabblicken, ist auf dem Tiefpunkt. Das passt zu den strategischen Fehlern von einigen Global Playern, die Deutschlands Wirtschaft derzeit so schwächeln lassen. Wie soll „Made in Germany“ noch auf dieser Welt vermarktet werden, wenn die deutsche Ingenieurskunst nicht mehr ausreicht, um Großprojekte zu beherrschen. Es fällt mir bei den vielen handwerklichen Fehlern schwer, meine Fassungslosigkeit in Worte zu fassen.
Ich hoffe, dass Frau Palla nun liefert. Über den Tiefbahnhof hinaus ist für die Zukunft der Digitale Knoten Stuttgart entscheidend, der seit Jahren nur schleppend vorangeht. Ich erinnere an das Trauerspiel bis zur finalen Entscheidung über DKS 3. Der neue Zeitplan mit einer Gesamtfertigstellung bis Dezember 2033 wirkt sich massiv auf unsere Planungen und unsere Investitionen aus.
Der VRS hat hunderte Millionen € in den Ausbau des ÖPNVs investiert, z.B. in die Nachrüstung der S-Bahnen, die Verlängerung der S-Bahn nach Neuhausen oder die Station Mittnachtstraße. Diese Investitionen fließen ab der Fertigstellung entsprechend der Nutzungsdauer über die Abschreibungen in die Kalkulation ein. Jedes Jahr Verzögerung kostet die Kommunen und Landkreise als Finanzierer der Verkehrsumlage viel Geld, ohne konkreten Nutzen. Wer kommt für diesen Schaden auf? Angesichts der desaströsen finanziellen Lage der Kommunen stellt sich die Frage, wie sich die neuen Fertigstellungstermine auf die laufenden Planungen des VRS auswirkt, z.B. bei den QSS-Maßnahmen oder bei der S7 von Heimerdingen nach S-Vaihingen. Schon aus fiskalischen Gründen muss dringend geprüft werden, ob die straffen Zeitpläne gestreckt werden können.
Ich bitte auch um eine Einschätzung der Verbandsverwaltung, wie sich diese neuen Termine auf die laufende Ausschreibung des S-Bahn-Vertrags auswirkt. Stimmen die Grundlagen des Ausschreibungsverfahrens noch oder müssen wir nachjustieren, z.B. bei den Trassenkilometern usw.“













