In allen Veranstaltungen informative und sachliche Diskussionen

Um dem akuten Mangel an Gewerbeflächen für großflächige Ansiedlungen im Norden von Stuttgart zu begegnen, läuft derzeit eine Fortschreibung zum Regionalplan. Den Anstoß lieferte die Ablehnung des regionalen Gewerbeschwerpunkts „Pleidelsheim/Murr“ durch die Gemeinde Pleidelsheim. In einem ersten Suchlauf wurde 15 Alternativen untersucht. Verschiedene Restriktiven führten rasch zu einer Reduzierung auf fünf mögliche Alternativen: Ingersheim, Bietigheim-Bissingen, Schwieberdingen, Korntal-Münchingen und Großbottwar.

Die verbliebenen Standorte waren in den vergangenen Wochen Gegenstand von Veranstaltungen zur umfassenden Information der Öffentlichkeit. Unter Leitung von Planungsdirektor Thomas Kiwitt, der diese heikle Aufgabe fachlich und von seiner Art der Gesprächsführung exzellent meisterte, wurden die zahlreich erschienen Bürgerinnen und Bürger über den Anlass und die Ziele der Planung unterrichtet. Im Wesentlichen geht es darum, Ansiedlungsmöglichkeiten für Betriebe mit einem Flächenbedarf von mehr als 1 ha zu schaffen. Das gegenwärtige Angebot ist so knapp, dass vermehrt Firmen und damit Arbeitsplätze in die Region Stuttgart abwandern. Es geht aber auch darum, dem örtlichen Gewerbe Angebote machen zu können. Besonders im landschaftlich sensiblen Bottwartal sind hier kaum noch Möglichkeiten vorhanden.

Wie ein roter Faden zog sich durch die Diskussionsbeiträge der anwesenden Bürger die Sorge um die Beeinträchtigung der Landschaft und den Verlust wertvoller Ackerböden. Andererseits wurde aber auch anerkannt, dass die wirtschaftliche Prosperität der Region in hohem Maße von Entwicklungsmöglichkeiten für erweiterungs- und umsiedlungswillige Firmen abhängt.

Für die Fraktion Freie Wähler, die bei allen Veranstaltungen vertreten war, ist klar, dass ein schwieriger Abwägungsvorgang notwendig wird. Zwar wurde anhand von Untersuchungen der Wirtschaftsregion eindrucksvoll belegt, dass permanent eine hohe Nachfrage besteht. Niemand kann jedoch präzise voraussagen, wie sich der konkrete Bedarf in den kommenden Jahren entwickeln wird. Über allem steht das Fragezeichen der konjunkturellen Situation. Es kann aber auch nicht darauf gewartet werden, bis attraktive Firmen Bedarf anmelden. In aller Regel besteht dann akuter Handlungsbedarf, unter dem die Qualität der Planung leiden würde. Regionalplanung ist eine Angebotsplanung, die sich in erster Linie an die Städte und Gemeinden richtet. Deren Aufgaben ist es, über die Flächennutzungs- und Bebauungsplanung Baurecht zu schaffen. Alle diese Verfahren laufen ebenfalls in einem transparenten Beteiligungsverfahren ab.

Die Fraktion Freie Wähler appelliert an die beteiligten Städte und Gemeinden, sich dieser Verpflichtung, evtl. in interkommunaler Zusammenarbeit, zu stellen. Durch die Verteilung des errechneten Bedarfs von rd. 75 ha auf mehrere Standorte wird eine Überlastung einzelner Bereiche vermieden. Es wurde vor allem darauf geachtet, dass durch die Zunahme des Verkehrs keine Ortsdurchfahrten oder nahegelegene Wohngebiete beeinträchtigt werden. Im weiteren Planungsverlauf werden nun die Träger öffentlicher Belange (z.B. Natur- und Umweltschutz, Wasserbehörden, Straßenbaubehörden etc.) intensiv eingebunden. Ergeben sich aufgrund der Bürgerbeteiligung oder der Stellungnahmen der öffentlichen Träger wesentliche Veränderungen des regionalplanerischen Konzepts, erfolgt eine erneute Beteiligungsrunde.


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