Regionalrat Reiner Ruf erläutert die gegenwärtig in der Diskussion befindlichen Alternativen – Landkreis Göppingen sieht sich vom Landkreis benachteiligt

 Im Juli 2014 wurde die Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) des Landkreises Göppingen und der Region Stuttgart über die Möglichkeiten eines halbstündig gefahrenen Kombi-Modells aus originärer S-Bahn (Stundentakt) und einer beschleunigten Regional-Bahn (RB) vorgestellt. Das Ergebnis war, dass ein viertes Betriebsangebot im Filstal wirtschaftlich nicht darstellbar ist.

Deshalb will sich der Landkreis an insgesamt drei Zugangeboten im Filstal auf Basis der Zielkonzeption 2025 des Landes orientieren. Bis zur Inbetriebnahme von S 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm ist zwischen einem Vorlaufbetrieb und einem verstetigtem Betrieb nach Herausnahme des Fernverkehrs (2022+) auf der Filstalbahn zu unterscheiden.

Die bisherige Angebotskonzeption 2020+ des Landes, zugleich Grundlage für die NKU 2012 und die vorausgegangene S-Bahn-Studie von DB Netz, sah folgende Verkehrsangebote vor:

IRE stündlich Karlsruhe-Stuttgart- Bodensee

RE stündlich (Aalen-Stuttgart-Ulm) mit eingeschränkten Halten im Filstal

RB stündlich  Stuttgart-Ulm mit allen Halten zwischen Plochingen und Ulm

Nun soll aber die RB nicht in Ulm, sondern schon in Süßen enden, Systemhalt in Plochingen dazu bis zur Inbetriebnahme S 21 ca. 5 Minuten

Wo sind die Risiken dieser Zielkonzeption?

Ob die Regionalisierungsmittel des Bundes dafür ausreichen werden, ist sehr fraglich, Klärung evtl. noch 2015. Ob sich günstigere Preise bei der Ausschreibung, wie einkalkuliert vom Land, ergeben, ist auch unsicher. Wegen der fehlenden IC-Halte wirkt der Stundentakt für Geislingen im Tagesgang besonders nachhaltig.

Es ergeben sich jedoch Nachteile für den Halt Amstetten, auf welchen zahlreiche Busverkehre im Alb-Donau-Kreis, die auch die Stadt Geislingen berühren, abgestimmt sind.

Die neue RB Stuttgart-Ulm mit allen Halten zwischen Plochingen und Ulm ist durch einen längeren Systemhalt in Geislingen von ca. 20 Minuten gekennzeichnet  (bis S21 kommt, danach kürzer).

 Völlig inakzeptabel ist jedoch die Verkürzung des RE zu einer RB Stuttgart- Süßen mit allen Halten ab Plochingen. Hier muss der durch das Land vorgesehene Halbstundentakt zu Zielen in der Region außerhalb des heutigen S-Bahn-Bereichs erreicht werden. Die RB ist zwingend bis Geislingen durchzubinden.

 Hierüber ist mit dem Land erneut zu verhandeln.

 Das angestrebte halbstündige Angebot bis Geislingen, bestehend aus zwei Regionalbahnen, könnte mit Halten in Bad Cannstatt, Esslingen, Plochingen und an allen Bahnhöfen im Filstal bei entsprechender qualitativ hochwertiger Vertaktung zu einem Regio-S-Bahn-Angebot verstetigt werden. Damit wären schnelle Verbindungen von Geislingen in die Region Stuttgart eröffnet (Szenario I).

 Infolgedessen gibt es auch ein Szenario II, welches ein Kombi-Modell mit S21 aus beschleunigter RB (Stuttgart-Ulm) und einer originären S-Bahn darstellen könnte. Es würden sich jedoch östlich von Göppingen längere Reisezeiten ergeben.

Ergebnis der weiteren Verhandlungen mit dem Land

 Die Durchbindung vom RE über Süßen hinaus bis Geislingen erfordert einen Mehraufwand an Betriebsleistungen von rd. 206.000 km /Jahr. Je Fahrkilometer sind 5 – 10 € je anzusetzen. Es müssten zwei zusätzliche Fahrzeuge zu je ca. 4- 5 Mio. € beschafft werden. Über die Bestellung dieser Mehrleistungen erwartet das Land vom Landkreis eine Entscheidung bis Ende Mai 2015. Dann könnten diese Fakten noch in den Ausschreibungsverhandlungen berücksichtigt werden.

Fazit

 Das SPNV-Zielkonzept 2025 hat für das Filstal und insbesondere für die Verbindungen nach Ulm deutliche betriebliche Nachteile. Dies gilt besonders für das Mittlere Filstal, wo sich künftig deutliche verlängerte Reisezeiten und /oder Umsteigeverbindungen in Richtung Ulm ergeben würden.

Entsprechend dem ÖPNV-Pakt zwischen Land und Region ist vorgesehen, einen Halbstundentakt in die am Rande gelegenen Mittelzentren der Metropolregion Stuttgart anzubieten. Darin wird auch Geislingen als Endpunkt einer Metropol-Express-Linie genannt. Erst durch ein Gesamtkonzept mit S-Bahn-Qualitätsstandards, wie es den Berechnungen der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg auf Vorschlag des Landkreises Göppingen zugrunde liegt, können bestehende Nachteile des SPNV-Zielkonzepts in der Summe ausgeglichen werden.

Die mangelnde Finanzierungsbereitschaft und das Vorgehen des Landes sind enttäuschend und nicht akzeptabel. Der Landkreis Göppingen erwartet unverändert die Beteiligung des Landes an einem gemeinsam getragenen Betriebsmodell im Filstal. Es muss langfristige Perspektiven für ein dauerhaft stabiles Schienenverkehrsangebot eröffnen und dadurch die Einbindung in das Gesamtverkehrssystem der Region Stuttgart untermauern.

(Reiner Ruf)


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