10 neue Züge ab Juli – jährliche Mehrkosten 860 000 – 1,1 Mio. €

S-Bahn-Verkehr am Wochenende rund um die Uhr, zeitliche Puffer für mehr Pünktlichkeit und längere Züge – dafür sorgt der Verband Region Stuttgart bei der S-Bahn ab dem Fahrplanwechsel im Dezember. Die Grundsatzentscheidung für den Nachtverkehr am Wochenende wurde bereits getroffen. Zusätzlich wurde im Verkehrsausschuss beschlossen, auf den Linien S1, S2, S5 und S6 im Spät- und Nachtverkehr an Wochenenden längere Züge einzusetzen. Das schlägt mit rund 360.000 Euro jährlich zu Buche. 10 neue Fahrzeuge für stabileren S-Bahn-Fahrplan.

Bereits ab Juli werden die ersten der zehn neuen S-Bahn-Fahrzeuge eintreffen, die der Verband Region Stuttgart für über 80 Millionen Euro gekauft hat. Je eine Fahrzeug-Garnitur soll an den Haltestelle in Stuttgart-Vaihingen, Schorndorf, Filderstadt und Weil der Stadt für „überschlagenen Wenden“ eingesetzt werden. Damit gelingt es, zeitliche Puffer im Fahrplan zu schaffen. Durch entspanntere Zeiten beim Wenden können sich mögliche Folgeverspätungen im Netz vermeiden oder abbauen lassen. Die Region erwartet klare Verbesserungen der Pünktlichkeit. Dass dies ein richtiger Ansatz ist, hatte auch das Ergebnis der jüngsten S-Bahn-Betriebssimulation ergeben. Mit dem anderen Teil der neuen, zusätzlichen Fahrzeuge sollen Züge verlängert werden. Welche genau, wird noch entschieden. Dafür wird ein Betrag von 500.000 Euro bis 750.000 Euro notwendig.

Deutliche Verbesserungen im Nachtverkehr

Rund um die Uhr können Nachtschwärmer ab dem Fahrplanwechsel auf allen S-Bahn-Linien in der Region unterwegs sein. In den Nächten von Freitag auf Samstag sowie Samstag auf Sonntag fahren die S-Bahnen dann stündlich im Takt der jeweiligen Linien. Auf den besonders stark frequentierten Linien der S1, der S2 der S5 und der S6 sollen an Wochenenden im Spät- und Nachtverkehr längere Züge eingesetzt. Damit wird für eine deutliche Entspannung gesorgt.

Angesichts zu geringer Nachfrage möchte die Region den Nachtverkehr bis auf Weiteres nicht auf Donnerstag ausdehnen. Allein für diesen Vorschlag wären Kosten von 1 Mio Euro pro Jahr anzusetzen gewesen. Angesichts der Erfahrungen der SSB, dass am Donnerstag das Fahrgastaufkommen in der Nacht nur bei 25% des Wochenendnachtverkehrs liegt, wurde der Antrag auf Antrag der Freien Wähler abgelehnt. Vor einer möglichen Einführung sollen zunächst die Fahrgastzahlen des S-Bahn-Spätverkehrs ausgewertet werden. Eine weitere Entscheidungsgrundlage wird ein Vorschlag zur Frühanbindung des Flughafens sein, die derzeit erarbeitet wird und im Herbst vorliegen soll. Neben einer Lösung, wie von allen S-Bahn-Linien aus die ersten Flüge gegen 6.00 Uhr erreicht werden können, wird sie auch die Kosten für eine Nacht-Fahrt auf allen S-Bahn-Linien von Sonntag bis Donnerstag erheben. Ein Frühzug der S4 zum Flughafen soll nicht isoliert eingeführt werden, sondern Teil einer möglichen Gesamtlösung für alle S-Bahn-Linien sein.

Das Können ist des Dürfens Maß

Keine Mehrheit fand der Gedanke, die Züge der S 6/S 60 auch außerhalb der Hauptverkehrszeit von Böblingen bzw. Weil der Stadt bis Leonberg fahren zu lassen. Damit wäre eine umsteigefreie Verbindung in Richtung Stuttgart möglich, allerdings zu Kosten zwischen 490.000 Euro jährlich (Montag bis Samstag) und 780.000 Euro pro Jahr (Montag bis Sonntag). Das ist zu viel, so die mehrheitliche Auffassung im Verkehrsausschuss. Aufwand und Ertrag stünden hier in keinem angemessenen Verhältnis.

„Heute kann niemand vorhersagen, wie die Finanzierungssituation 2017 sein wird“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Bernhard Maier Bei der Bestellung von Verkehrsverbesserungen gelte es deshalb, „Vorsicht walten zu lassen“, speziell bei den Taktverbesserungen auf der S6/S60. Man dürfe das Kosten/Nutzenverhältnis und die finanziellen Grenzen der Kommunen nicht außer Acht lassen. Der Einsatz der neuen Fahrzeuge sowie der Nachtverkehr seien Konsens.

Freie Wähler erreichen „Entscheidungen der Vernunft“

Verkehrsverbesserungsmaßnahmen bei der S-Bahn sind ein angenehmes Unterfangen für den, der für die Finanzierung der in der Regel teuren Zusatzbestellungen nicht aufkommen muss. So waren es allein die Freien Wähler, die angesichts ungeklärter Regionalisierungsmittel des Bundes auf die daraus entstehenden Lasten bei den Umlagen hingewiesen haben und zur gründlichen Abwägung mahnten.

Argumente, die letztlich im Abstimmungsverhalten auch bei CDU und FDP Gehör fanden. So wurde ein überschaubares Paket von Verbesserungsmaßnahmen geschnürt, das angesichts der wachsenden Nachfrage bei der S-Bahn verantwortbar ist.

Fazit aus Sicht der Regionalfraktion

Angesichts zunehmender Belastungen im Straßenverkehr (Feinstaubalarm in Stuttgart) ist ein konsequenter Ausbau des ÖPNV, insbesondere des Rückgrats S-Bahn, geboten. Der Mitteleinsatz muss aber auf besonders wirkungsvolle Maßnahmen konzentriert werden. Ein Gießkannenprinzip ohne Rücksicht auf die kommunale Finanzkraft würde dazu führen, dass die Städte und Gemeinde andere dringende Infrastrukturmaßnahmen nur über neue Schulden stemmen könnten.

Durch überzeugende Argumente ist es der Regionalfraktion gelungen, die Verbesserungsmaßnahmen auf wirkungsvolle Schritte zu konzentrieren und in finanzierbaren Grenzen zu halten.


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