Verkehrsausschuss spricht sich einmütig für eine Reform der Tarifstruktur in den Zonen 30 bis 70 aus – Sozialticket stößt auf Skepsis

Ein einfacher und gerechter VVS-Tarif ist ein zentrales Anliegen des Verbands Region Stuttgart. Heute haben die Regionalpolitiker im Verkehrsausschuss mit Unterstützung der Freien Wähler ihren lange gehegten Wunsch erneuert, die Sektorengrenzen innerhalb der der 50 Tarifzonen abzuschaffen. Sie fordern einmütig vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH (VVS) weitere Informationen über mögliche Auswirkungen, wenn die Segmente der Tarifzonen 30 bis 70 fallen. Ablehnend bis abwartend beurteilen die Verkehrspolitiker einen entfernungsabhängigen Tarif, wie er im Rhein-Main-Verkehrsverbund erprobt wird.

Auf einen grundlegenden Zwiespalt bei der Tarifgestaltung wurde in den Beratungen hingewiesen. Beim Tarif bewegt man sich „im Spannungsfeld zwischen den Anforderungen der Fahrgäste, der Verkehrsunternehmen und der Politik.“ Der Verband Region Stuttgart hat in den letzten Jahren „vielerlei positive Anstöße“ zu Verbesserungen des VVS-Tarifs gegeben. Auch das Azubi-Ticket geht auf einen Impuls der Region zurück.

Gerade im Umland drängt sich allerdings der Eindruck einer Benachteiligung beim Ticket-Preis auf, da dieser sich an der Entfernung und nicht am Verkehrsangebot orientiert. Verschärft wird dies, weil außerhalb der Landeshauptstadt (Zonen 10 und 20) die Tarifzonen zusätzlich mit Segmenten unterteilt sind. Der vom Verband Region Stuttgart seit Längerem geforderte Wegfall dieser Segmente in den Zonen 30 bis 70 würde einen Verlust von rund 5,2 Millionen Euro nach sich ziehen, wie VVS-Geschäftsführer Horst Stammler vorrechnet. Der Wegfall der Sektorengrenzen ist kein „Selbstläufer“.

Das Angebot muss ein wesentlicher Teil des Tarifs sein, nicht nur die Entfernung. Darin sieht Bernhard Maier (Freie Wähler) eine „Benachteiligung des Umlands“. Eine mögliche Zusammenlegung der Tarifzonen 10 und 20 sei ein reines Stuttgarter Thema.

Während alle Fraktionen einen Wegfall der Sektorengrenzen grundsätzlich begrüßen, ist das Sozialticket regionalpolitisch umstritten. Die Kaufmännische Vorständin der SSB-AG, Stefanie Haaks, berichtete über erste Erfahrungen damit in Stuttgart. 4,9 Millionen Euro jährlich lasse sich die Landeshauptstadt diesen Zuschuss für die freiwillige soziale Leistung kosten. Das sind 2,7 Millionen Euro mehr als die Höhe des Zuschusses vor Einführung des Sozialtickets. Damit einhergegangen sei eine Steigerung der Nutzer von 64 Prozent, ohne Berücksichtigung möglicher Verlagerungen.

Der immer wieder geäußerte Wunsch nach einem Sozialticket stößt bei der Mehrheit des Verkehrsausschusses auf Skepsis. Man sieht darin eine Aufgabe der Landkreise als Träger der Sozialhilfe.

 

 

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