Wie sieht die Stadt der Zukunft aus? – Freie Wähler sehen Chance und Herausforderung

Jetzt sind erste Weichen gestellt – der Verband Region unterstützt die Idee einer Internationalen Bauausstellung 2027 in Stadt und Region Stuttgart. In einer Grundsatzentscheidung hat die Verbandsversammlung am 7. Dezember 2016 nicht nur „Ja“ gesagt, sondern die Region geht mit einem Betrag von fast 850 000 € für die Vorbereitungen in Vorlage. Sie erwartet, dass eine große Anzahl von Städten und Gemeinden sowie Partner aus Wirtschaft und Gesellschaft „mit ins Boot“ gehen.

Wie wollen wir in der Region Stuttgart künftig wohnen? Was zeichnet unser gesellschaftliches Leben aus und wie nutzen wir neue Technologien für eine lebenswerte StadtRegion? Die Internationale Bauausstellung „IBA 2027 StadtRegion Stuttgart“ soll zu diesen Kernfragen Antworten oder Lösungsvorschläge bringen. In einer wegweisenden Entscheidung hat die Regionalversammlung heute den Boden für die Ausrichtung einer IBA in Stuttgart und der Region bereitet. Der Verband Region Stuttgart stellt für das IBA-Startjahr 2017 insgesamt etwa 850.000 Euro zur Verfügung. Damit sollen professionelle Strukturen geschaffen und eine IBA-Geschäftsstelle aufgebaut werden. Gut 488.000 Euro davon sind als Reserve vorgesehen, die nur dann angetastet werden soll, wenn es nicht gelingen sollte, weitere Finanzierungspartner ins Boot zu holen.

Der Sprecher der Fraktion Freie Wähler, Bürgermeister  Wilfried Wallbrecht aus Esslingen, beleuchtete in seinem Redebeitrag Aufgabenstellung, Risiken und Chancen. Seine Rede, teils in Stichworten, können Sie hier nachlesen:

Zunächst ein paar Gedanken

zu den 4 IBA Themen (inhaltliche Schwerpunkte)

 

  1. Baukultur in Architektur + Städtebau

sind gesetzt bei einer IBA

  1. Integrierte Quartiere

Das ist Erkenntnislage in der Fachwelt seit 15 Jahren.

Aber wir haben in den Kommunen immer wieder ein Umsetzungsproblem          (Akzeptanz,   Baurecht).

Hier müssen wir in der Praxis weiterkommen!

  1. Neue Technologien

Das ist spannend: man weiß 2016 noch nicht, was 2027 IBA – präsentabel sein wird.

Ein offenes Herangehen notwendig mit zukunftsorientierten Köpfen!

  1. Polyzentrische Region

Das erscheint uns/mir DIE zentrale Herausforderung zu sein.

Herr Oberbürgermeister Kuhn hat mit: „eigensinnige Städte“ die Situation        beschrieben.

Besser hat es m.E. Prof. Durth getroffen: „produktive Konkurrenz“.

Wir hören: Das Rosensteinviertel in Stuttgart ist gesetzt, das ist gut so.

Aber: IBA 1927 ist keine Blaupause, die war zentral!

Man muss wissen, dass die IBA Emscher Park 1999 die einzig wirklich gelungene   dezentrale IBA war.

Wir sind uns sicher einig, dass die IBA-Beiträge nicht nur eines, sondern mehrere dieser Themen/Schwerpunkte bedienen müssen.

Unsere Gedanken zu den 4 IBA-Querschnittsqualitäten (Grund-Merkmale):

  1. Mobile Region

Das Thema ist dieser Region auf den Leib geschnitten.

Diese Chance darf sich diese Region nicht entgehen lassen.

  1. Nachhaltige Region

Das Thema ist „gesetzt“, selbstverständlich.

  1. Solidarische Region

Der Anspruch ist schnell mehrheitsfähig, aber ambitioniert!

Aber gesamtgesellschaftliche Entwicklungen haben wir nicht in der Hand.

  1. Partizipative Region

Auch das gilt heute für alle Projekte/Vorhaben.

Über die Inhalte stellen sich für uns wichtige Fragen:

Wie gelingt es uns, für die IBA und ihre Projekte Akzeptanz, vielleicht sogar Neugier und Identifikation in der Öffentlichkeit auszulösen?

Wir alle wissen, wie groß bei Bürgerinnen und Bürgern die Vorbehalte gegen Groß-Projekte, Groß-Veranstaltungen sind – also eine ganz wichtige Aufgabe.

Wir alle versprechen uns von der IBA Außenwirkung und Innenwirkung:

Außenwirkung auf die (Fach- und Normal-) Besucher aus Deutschland, Europa und ggfs. darüber hinaus Innenwirkung durch gemeinschaftliche, akzeptierte, qualitätsvolle, evtl. sogar Stolz auslösende Projekte.

Zum weiteren Vorgehen:

Wir müssen die richtige Balance finden zwischen Euphorie und Realismus

Wir dürfen uns nicht überfordern. Visionen ja, aber keine Utopien. Augenmaß ist notwendig. Wenn ich Begriffe höre wie „radikal neu“ oder „beispielgebend für die ganze Welt“, dann bin ich eher irritiert.

Wir müssen mit Weitsicht die richtigen Projekte heraussuchen für die erste Stufe 2022 und die Zweite Stufe 2027.

Manches muss als Prozess beginnen mit offenem Ausgang, denn wir wissen nicht immer, wie weit wir kommen bis 2027 und was in 11 Jahren ausstellungswert ist.

Wir brauchen handlungsfähige Strukturen. Wir müssen viele Akteure einbinden, dürfen uns dabei aber auch nicht verzetteln (zu viele Köche können den Brei verderben).

Wir brauchen Mitmacher und Unterstützer:

Mitmacher (Land, Kommunen, Hochschulen, einschlägige Berufsgruppen…) müssen klug eingebunden werden.

Potenziellen Unterstützern (Wirtschaft, NGO´s,…) müssen gute Gründe geliefert werden für eine Beteiligung.

Eine IBA kann wie andere Großveranstaltungen einen positiven Ausnahmezustand/Motivation/Synergien/ Begeisterung auslösen, ein Image erzeugen.

Die Besonderheit, das Außergewöhnliche, das Beispielgebende, die Qualität der Projekte muss jedoch jeweils vor Ort entstehen.

Abschließend zur Vorlage:

Wir Freien Wähler halten es für richtig, dass der VRS in Vorleistung geht. Das kostet zwar Geld aus dem VRS-Haushalt. Aber so ist sichergestellt, dass die Struktur gefunden wird – organisatorisch, personell, konzeptionell, inhaltlich – die wir als Verband wollen: eine IBA Stadt Region Stuttgart.

Wir Freien Wähler unterstützen unter diesen Vorzeichen – und das war von Anfang an so – dieses Vorgehen und damit die beiden Beschlusspunkte.

Wir bedanken uns bei allen – allen im Haus und von außen – die daran mitgewirkt haben, dass wir heute diesen Stand an Erkenntnissen und Profil für Unsere IBA haben.


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