Freie Wähler weisen seit Jahren auf dieses Defizit hin – plötzlich erkennen Verwaltung und die anderen Fraktionen die Gefahr für den Wirtschaftsstandort

In der Region Stuttgart ist das Angebot an Industrie- und Gewerbeflächen weiter zurückgegangen. Ein Bericht der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) vom Juni 2017 beziffert die sofort verfügbaren Flächen auf der grünen Wiese mit 97 Hektar, 23 davon entfallen auf die vom Verband Region Stuttgart als Regionale Gewerbeschwerpunkte ausgewiesenen Gebiete.

Nach Auskunft der befragten Kommunen sollen dort planmäßig in den kommenden fünf Jahren insgesamt 61 Hektar zur Baureife geführt werden. Um mittelfristig die Nachfrage aus Industrie und Gewerbe erfüllen zu können, müssten in den Kommunen der Region jährlich über 100 Hektar neu ausgewiesen werden. „Es ist ein dringender Handlungsbedarf auf allen politischen Ebenen zu erkennen“, erklärte WRS-Geschäftsführer Dr. Walter Rogg im Wirtschaftsausschuss des Verbands Region Stuttgart.

Nach Auffassung der Regionalfraktion Freie Wähler kommt dieser Vorstoß viel zu spät. Seit Jahren weist sie – wie auch im Wohnungsbau – auf die Risiken für die Wirtschaftsentwicklung hin. Der akute Fachkräftemangel gerade in der Region Stuttgart verschärft die Situation noch.

Regionalrat Bernhard Maier konkretisierte im Wirtschaftsausschuss die Gefahren für den Standort „Region Stuttgart“. „Das ist ein unüberhörbarer Weckruf. Wenn bei einem Unternehmen konkreter Bauflächenbedarf auftritt und dieser nicht in ausreichender Fläche und Lage befriedigt werden, wandert der Betrieb ab“, stellte Maier fest und nannte auch konkrete Beispiele von Abwanderungen in den Raum Heilbronn.

Eine der Ursachen für die zögerliche Haltung mancher Kommunen, die Flächen ausweisen dürften, könnte darin liegen, dass es in  der Vergangenheit manchmal Jahre dauerte, bis Gewerbegrundstücke abgesetzt werden konnten. Gegenwärtig herrscht dagegen eine hohe Nachfrage, vor allem nach verkehrsgünstigen Standorten. Auch die Bereitschaft privater Eigentümer zum Verkauf von Rohland oder fertigem Bauland hat stark abgenommen. Wer will riskieren, dass er Strafzinsen für Guthaben bezahlen muss?

Gemeinsam mit der Hochschule St. Gallen in der Schweiz arbeitet die regionale Wirtschaftsförderung  an Umsetzungsinstrumenten und konkreten Maßnahmen zur Förderung der Gewerbeflächenaktivierung in der Region. Mit der Vorstellung von Handlungsempfehlungen soll nach der Sommerpause die Diskussion auf regionaler Ebene fortgesetzt werden.

Nach Auffassung der Regionalfraktion muss sehr viel intensiver als bisher mit den in Betracht kommenden Kommunen der Dialog gesucht werden. Nicht wenige Städte und Gemeinden sind aber in der Vergangenheit wegen der zu restriktiven Politik des Verbands bei der Wohnbaulandausweisung verprellt worden. Jetzt herrscht dort ein ähnlicher Mangel, dessen Beseitigung man jetzt hinterher läuft.

 


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