Weil er wenig Erfolge im Schienenverkehr vorweisen kann, greift der Minister nach einem dünnen Strohhalm – Freie Wähler verweisen erneut auf schwerwiegende Mängel

Nennenswerte Erfolge im Ausbau des Schienennetzes kann Verkehrsminister Winfried Hermann nicht vorweisen. Einer der Hauptgründe ist die Verschlechterung der Förderung, die es kommunalen Aufgabenträgern nahezu unmöglich macht, große Investitionen in die Schiene zu schultern. Daher kümmert sich Winfried Hermann gerne um Radwege. Jetzt aber hat er doch ein Projekt gefunden, das er um jeden Preis auf seine Erfolgsliste setzen möchte: Eine Schienenverbindung aus dem Landkreis Böblingen in den Landkreis Calw (von Calw nach Weil der Stadt).

Trotz massiver Bedenken der Anliegerkommunen und einer deutlich besseren Alternative hält der Minister an dieser neuen Verbindung, der sog. Hermann-Hesse-Bahn, fest. Den Sachargumenten der Kommunen hält er die Forderung nach Solidarität entgegen. Lesen Sie dazu einen Artikel in der Leonberger Kreiszeitung:

Hier können Sie den Bericht aufrufen

Dazu hat der Verkehrsexperte der Fraktion und als ehemaliger Bürgermeister von Renningen ein exzellenter Kenner der örtlichen Situation, Landrat a.D. Bernhard Maier, den folgenden Pressetext herausgegeben:

Solidarität heißt nicht blinder Gehorsam

„Solidarität“ verlangt der Verkehrsminister von den Akteuren bei der Hermann-Hesse-Bahn. Er muss sich dabei wohl im Wahlkampfmodus befinden, um mit öffentlichem Druck Gefügigkeit zu erwirken und sein einziges Bahnprojekt mit dem „Kopf durch die Wand“ zu verwirklichen.

Er übersieht dabei aber wohl, dass er selbst noch in Erklärungsnot ist, um die verunsicherte Öffentlichkeit im Kreis Böblingen und in der Region die Sinnhaftigkeit des Projekts nahezubringen.

Um eines vorweg klarzustellen: Niemand aus der Raumschaft wendet sich gegen eine Schienenverbindung von Calw nach Weil der Stadt. Die Bedenken richten sich allein gegen einen Parallelverkehr auf dem teilweise eingleisigen Abschnitt Weil der Stadt-Renningen und die Sorge um die Pünktlichkeit der S-Bahn und den Schutz der Anwohner vor Lärm und Abgasen. Genau das aber ist die Aufgabe der gewählten Gremien in den Gemeinden, dem Landkreis und der Region und die lassen sich auch nicht per „0rdre der mufti“ aus ihrer Verantwortung befördern.

Und genau hier beginnen die Fragen, deren Beantwortung der Minister und der Landkreis Calw beharrlich verweigern:

  • In keinem dieser Gremien wurde bisher die so genannte Fahrplanrobustheitsprüfung vorgestellt. Wurde der ganztägige 15 Min.Takt auf der gesamten Strecke der S 6 einbezogen? Wie lässt sich die zur Pünktlichkeitsverbesserung in Weil der Stadt vorgesehene überschlagende Wende verwirklichen? Wurde die bei der S-Bahn übliche 3-Minuten-Pünktlichkeit berücksichtigt?
  • Nach dem Willen des Verkehrsministeriums selbst sollen künftig im Ballungsraum dieselbetriebene Fahrzeuge aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung ausgeschlossen werden. Hier werden sie an einem neuen regionalen Wohnungsbauschwerpunkt in 30 m Abstand vorbeigeführt, ohne die Auswirkungen zu prüfen. Wie lässt sich der betroffenen Bevölkerung erklären, dass zur selben Zeit im gleichen Landkreis die dieselbetriebenen Züge auf der Schönbuchbahn abgeschafft und durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden?
  • Der Minister fördert mit Steuergeldern eine kropfunnötige Investition und unsinnige  Betriebskosten für einen Parallelverkehr zwischen Weil der Stadt und Renningen, den niemand nutzen wird, weil der Umstieg in Weil der Stadt auf die S-Bahn bequemer und weniger zeitaufwendig ist. Wie lässt sich eine solche Mittelverbrennung mit dem Gebot des sparsamen Umgangs mit öffentlichen Mitteln vereinbaren?
  • Für Fledermäuse ist mittlerweile eine „Einhausung“ der Tunnels im Kreis Calw vorgesehen. Wie ist es demgegenüber um den Schutz der Menschen bestellt?
  • Ist dabei eine Elektrifizierung zu einem späteren Zeitpunkt überhaupt noch möglich?  Solange diese Fragen nicht befriedigend beantwortet sind, werden alle Appelle des Ministers ins Leere gehen. Ein neues Nahverkehrsmittel lebt von der Akzeptanz der Bevölkerung. Davon ist  die Hermann-Hesse-Bahn bei den ungeklärten Fragenm Raum Weil der Stadt und Renningen noch weit entfernt. Für die Freien Wähler gibt es nur eine vernünftige Lösung um den Kreis Calw an die Region anzubinden: eine Verlängerung der S-Bahn. Die Zeichen dafür sind günstig, wie neueste Untersuchungen ergeben haben. Um dieses Ziel zu erreichen müssen alle unsinnigen Investitionen für eine Hermann-Hesse-Bahn auf dem Abschnitt zwischen Weil der Stadt und Renningen unterbleiben.

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