Große Erfolge kann Verkehrsminister Winfried Hermann nicht vorweisen. Vielen Ankündigungen fehlt die Realisierung. Deshalb verfolgt er hartnäckig die wenigen Projekte, bei denen er Beifall erwartet. Dazu gehört die Einlösung des Versprechens aus der vergangenen Legislaturperiode, eine Schienenverbindung in den Landkreis Calw zu ermöglichen, die Hermann-Hesse-Bahn (HHB). Er geht dabei geflissentlich über auftretende Probleme und kritische Stimmen aus der Region hinweg.

Die Leistungsfähigkeit der S-Bahn darf nicht beeinträchtigt werden
Lorenz Rings pixelio.de

Für die Hermann-Hessebahn von Calw in den Kreis Böblingen wurde nun das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Ursächlich sind Baumaßnahmen im Bahnhof Weil der Stadt. Die Fraktion Freie Wähler in der Regionalversammlung, so Regionalrat Wilfried Dölker in seiner Stellungnahme im Planungsausschuss, sind nach wie vor der Auffassung, dass der Ausbau der Strecke zwischen Weil der Stadt und Renningen den S-Bahnverkehr behindern wird. Das hoch sensible S-Bahnnetz, das schon heute kaum noch Verspätungen auffangen kann, darf keine zusätzlichen Belastungen erfahren. Die S-Bahn als Rückgrat des ÖPNV in der Region darf nicht nur auf dem Papier, sie muss in jeder Form Vorrang behalten. Es ist sehr kritisch zu beurteilen, dass die S-Bahn wegen der Hermann-Hesse-Bahn aus Richtung Stuttgart nur noch mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit einfahren darf. Damit wird ein weiterer, wenn auch kleiner, Fahrzeitpuffer geopfert.

 Es ist mit dem gesunden Menschenverstand nicht vereinbar, dass ein parallel fahrender Zug zur S-Bahn wirtschaftlicher sein soll, wie ein evtl. zweimaliger Umstieg auf die S 6 und die S 60. Im Fall des Umstiegs kann auf kurzem Wege auf demselben Bahnsteig der Zug gewechselt werden. Auf kurzem Wege und ohne nennenswerten Zeitverlust. Das in der Planfeststellung befindliche Konzept sieht den Umstieg in Renningen vor. Dies bedingt aber einen langen Fußweg für die Fahrgäste bis zum S-Bahngleis. Zudem sind die Kosten für die Erneuerung eines Bahnsteiges in Weil der Stadt nicht in die standardisierte Bewertung eingeflossen. Außerdem, so die Freien Wähler weiter, sind die aktuellen Kosten voraussichtlich deutlich höher als dem Verfahren zugrunde gelegt.

 Wichtig ist, so Wilfried Dölker, dass die Qualität des S-Bahn-Betriebs in keiner Weise beeinträchtigt wird. Auf Vorschlag der Freien Wähler hat der Ausschuss die Stellungnahme deshalb ergänzt und zusätzlich aufgenommen, dass ein angestrebter 15-Minutentakt der S 60 durch die Umbauten im Bahnhof Renningen nicht erschwert werden darf. Diesem Vorschlag haben alle anderen Fraktionen geschlossen zugestimmt.

 „Es bleibt dabei“, so der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Landrat a.D. Bernhard Maier, „das Projekt mit zwei hintereinander herfahrenden Zügen und immensen Kosten in Investitionen und Betrieb auf einem kritischen eingleisigen Abschnitt, ist ein volks- und verkehrswirtschaftlicher Unsinn. Niemand braucht auf diesem Abschnitt eine zweite Bahn“.

 


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