Die Bedeutung Europas für die Region Stuttgart – dies war die Überschrift eines Statements, das der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland MdEP, am 26. September 2018 vor der Regionalversammlung abgab. Er plädierte für mehr Miteinander statt Gegeneinander in Europa.

„Die Regionen bilden die Vielfalt Europas“, so umriss er das Zusammenspiel von EU-Politik und einzelnen Regionen innerhalb der europäischen Gemeinschaft. Jede Region habe ihre Stärken und die EU müsse diese nach Kräften fördern. Wieland, der in der Region Stuttgart aufgewachsen und sowohl Mitglied der EU-Parlaments als auch der Regionalversammlung ist, hält es für wichtig und richtig, dass die Region Stuttgart über ihr Europabüro in Brüssel auch auf europäischer Ebene Flagge zeigt. Mit ihrer Innovationskraft und wirtschaftlichen Stärke sei die Region Stuttgart auch „Labor und Maschinenraum“ für die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Die wirtschaftliche Dynamik der Region stamme aber nicht nur von den international bekannten Unternehmen sondern ebenso von den zahlreichen mittelständischen „Hidden Champions“.

Für die Regionalfraktion Freie Wähler sprach Regionalrat Werner Stöckle. Hier seine Rede im Wortlaut:

 Das „erfolgreichste Projekt des Kontinents“, die Europäische Union, hat auch nach 70 Jahren des Bestehens, nichts von seiner Faszination verloren. Die Zusammenarbeit, das gemeinsame Wirken vieler verschiedener Länder mit all ihren unterschiedlichen Strukturen, mit all ihren geschichtlichen Vergangenheiten, war und ist Grundlage und Garantie für das friedliche Zusammenleben der Nachbarn. Und das über einen, in der jüngeren Geschichte noch nie dagewesenen, langen Zeitraum.

Die Aussöhnung ehemals tief verfeindeter Völker, war der entscheidende Schritt zu einem respektvollen, Neben- und Miteinander. Der wirtschaftliche Aufschwung, begonnen in der „kleinen Einheit EWG(Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) -wenige von uns erinnern sich möglicherweise noch daran-, hat trotz mancher Durststrecken dazu beigetragen, dass die Menschen einen einigermaßen ordentlichen Lebensstandard erreicht haben, zumindest ein großer Teil von ihnen.

Allerdings, so muss man leider feststellen, ist der Glanz in den letzten Jahren erheblich verblasst. Der Lack hat Flecken bekommen – einige Kratzer ebenfalls. Der Brexit (kommt er, kommt er nicht?), diametrale Unterschiede bei den nationalen Reaktionen im Hinblick auf die Zuwanderung, Handelskonflikte und das Erstarken extremer Politik, sind die wohl größten Probleme die auf rasche Antworten und zukunftsweisende Lösungen warten.

Und mitten in diesem Europa sind wir, die Region Stuttgart, der VRS. Unser Europabüro in Brüssel ist ein wichtiger „Horchposten“, um die europäischen Signale, zum Beispiel was die Förderkulissen vieler EU-Programme anbelangt, frühzeitig aufzunehmen, in die Region zu vermitteln und ggf. bei den Antragstellungen unterstützend tätig zu sein. Die kompetenten und engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Koordinatorinnen und Koordinatoren von VRS und WRS sind mit die Garanten für eine erfolgreiche EU-Arbeit der Region. Unersetzlich sind die seit Jahren geknüpften und gepflegten Netzwerke. International, national, aber auch innerhalb unseres Bundeslandes und innerhalb der Region selbst.

Bei unserem Besuch im letzten Jahr in Brüssel konnten wir uns eindrucksvoll vom Wirken unserer Europa-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter überzeugen. Kompliment und Anerkennung dazu. Es versteht sich von selbst, dass sich die Arbeit in Brüssel nicht nur auf die diversen Förderprogramme und deren Erschließung bezieht. Genauso wichtig ist die Tätigkeit als Botschafter und Repräsentanten unserer Region. Betätigungsfelder dazu gibt es zuhauf. Die Sitzungsvorlage gibt darüber umfassend Aufschluss. Die Vorzüge, die Errungenschaften der Region Stuttgart sind es allemal wert, europaweit (gerne auch darüber hinaus) vorgestellt und bekannt gemacht zu werden. Mit aller gebotenen Zurückhaltung: Unsere Strahlkraft ist bemerkenswert und in vielen Bereichen erkennbar.

Genauso ist es angebracht „von Anderen zu lernen“. Nehmen wir das Verkehrswesen, den ÖPNV, den Wohnungsbau, die digitale Entwicklung. Andere Metropolen oder Regionen, bspw. Wien, Warschau, Paris, Barcelona, Kopenhagen, alle haben einiges aufzuweisen, das uns in unserer weiteren Entwicklung durchaus hilfreich sein kann. Es stimmt schon Der Blick über den Tellerrand (sprich die Regionsgrenzen) hinaus schadet nicht. Die EU-Arbeit der Region und die Zusammenarbeit mit den EU-Stellen wird auch bei uns, in der Region selbst, erkennbar. Die Teilnehmer an der kürzlich stattgefundenen Informationsfahrt konnten sich anhand der unterschiedlichsten Projekte davon überzeugen. Allen EU-Akteuren gilt unser Dank für ihren lobenswerten Einsatz. Sie machen einen wirklich guten Job. Weiter so.

 

Wir Freien Wähler beurteilen die Bilanz der regionalen EU-Arbeit von Verband und Wirtschaftsfördergesellschaft äußerst positiv. Das Engagement der Region in Europa, unser aller Engagement, muss nach unserer festen Überzeugung fortgesetzt und bedarfsorientiert ausgebaut werden.
Wir sind dazu bereit.

 


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