Mit zwei wichtigen Fragen beschäftigte sich der Verkehrsausschuss der Region in seiner Sitzung am 22. Januar

  • Der Verkehr in der Region nimmt weiter zu
  • Verlängerung der S 6 bis Calw

 

Zunehmender Verkehr in der Region Stuttgart 

Aktualisiertes Verkehrsmodell prognostiziert weiteren Anstieg des werktäglichen Verkehrs bis 2030 auf Straße und Schiene

Die Mobilität in der Region Stuttgart wird bis 2030 weiter ansteigen. Das ist das Ergebnis aus der Auswertung des fortgeschriebenen Verkehrsmodells des Verbands Region Stuttgart, das im heutigen Verkehrsausschuss diskutiert wurde. Mit Hilfe des Verkehrsmodells wird die die Verkehrsentwicklung in der Region analysiert und prognostiziert. Im bisherigen Modell waren Prognosewerte für das Jahr 2025 hinterlegt. Die zeitliche Entwicklung hat eine Erweiterung des Prognosehorizonts bis 2030 erforderlich gemacht. Zudem wurden einige Aktualisierungen vorgenommen, um die Veränderungen bei den Verkehrsangeboten, dem VVS-Tarif und den Einwohnerzahlen zu berücksichtigen.

Im Vergleich zum Jahr 2010 ergibt sich im fortgeschriebenen Modell ein Anstieg der werktäglichen Verkehrsleistung (Binnenverkehr in der Region Stuttgart) um 7,4 Millionen Personenkilometer (Pkm) auf 66,1 Millionen Pkm. Dies entspricht einer Steigerung um 13 Prozent. Der motorisierte Individualverkehr nimmt dabei um 2 Prozent zu (0,8 Millionen Pkm). Der öffentlichen Personennahverkehr steigert sich um 6,6 Millionen Pkm, was einer Zunahme von 65 Prozent entspricht. Die Verkehrsleistung des Schienenpersonennahverkehrs (Regionalverkehr und S-Bahn) steigt in diesem Basisszenario um 104 Prozent. Somit wird 2030 – ohne weitere ergänzende Maßnahmen – das Ziel einer Verdoppelung der Verkehrsleistung in diesem Bereich erreicht. Die Verkehrsmittelwahl (Modal Split) in Bezug auf die Verkehrsleistung steigt somit zugunsten des öffentlichen Personennahverkehrs von 18,0 auf 25,8 Prozent, der motorisierte Individualverkehr (MIV, inkl. Pkw-Mitfahrer) sinkt von 82,0 auf 74,2 Prozent.

Der verkehrspolitische Sprecher der Regionalfraktion sagte dazu:  „Die Verdoppelung der Fahrleistungen bis 2030, ist ein politisches Ziel des Bundes, hinter dem sich alle politischen Kräfte finden. Als Regionalversammlung wollen wir dieses Ziel erreichen.“ Das Bedürfnis der Bevölkerung, mobil zu sein, werde allerdings weiter steigen. Nur mit erheblichen Mitteln von Bund und Land könne der Ausbau gestemmt werden. „Dennoch wird es uns dadurch bestenfalls gelingen, den Verkehrszuwachs im ÖPNV aufzufangen. Auch 2030 wird der Autoverkehr die Mobilität dominieren.“

 

Region beschließt Verlängerung der S6 bis Calw

Die S6 wird die erste S-Bahn, die über die Regionsgrenze hinaus verkehrt – das hat der regionale Verkehrsausschuss in seiner heutigen Sitzung einstimmig beschlossen. In Vorberatungen mit dem Landkreis Calw und dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg wurden die Rahmenbedingungen und Finanzierung festgelegt, die nun zur Umsetzung kommen können. Schon lange haben die beteiligten Gremien und Vertreter eine Schienenverbindung in den Landkreis Calw diskutiert. Neue Randbedingungen haben nun zu einem zustimmungsfähigen Konzept geführt, das gemeinsam umgesetzt werden kann. So soll in der Vorstufe die Hermann-Hesse-Bahn reaktiviert und eine Zusatz-S-Bahn zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen eingeführt werden, bevor die S6 nach Calw verlängert wird. Hierzu beigetragen haben unterschiedliche Aspekte. So bedarf die S6 einer Entlastung, im Abschnitt zwischen Weil der Stadt und Zuffenhausen, da die S-Bahn dort derzeit das einzige Schienenangebot ist. Eine Zusatz-S-Bahn in der Hauptverkehrszeit könnte die Entlastung ganz ohne Infrastrukturausbau bringen. Diese würde nicht an allen Haltestellen auf der Strecke halten und hätte daher eine etwas kürzere Reisezeit. Das im Ausschuss vorgestellte Konzept sieht vor, dass die Zusatz-S-Bahn im Abschnitt zwischen Renningen und Weil der Stadt Vorrang vor der Hermann-Hesse-Bahn erhält. Letztere endet in der Hauptverkehrszeit bereits in Weil der Stadt. Der Einsatz der Hermann-Hesse-Bahn auf dem Abschnitt zwischen Calw und Weil der Stadt erfordert für Reisende bis nach Stuttgart einen Umstieg auf die Zusatz-S-Bahn, weshalb dieses Konzept nur bis zur durchgängigen Verlängerung der S6 bis Calw zum Tragen kommt. Hierfür ist noch die Elektrifizierung des Abschnitts zwischen Calw und Weil der Stadt nötig.

Für Bernhard Maier. den Sprecher der Fraktion, ist die vereinbarte Priorität für die S-Bahn unter anderem Ergebnis eines interfraktionellen Antrags aus der Regionalversammlung. Er kritisierte jedoch, den Bahnhof Renningen nur für eine Übergangsphase wegen des Halts der Hermann-Hesse-Bahn in der Nebenverkehrszeit umzubauen. Zudem forderte er, die Strecke „bereits jetzt S-Bahn-kompatibel zu bauen“.

 

 


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