In einem Interview, nachzulesen in den Stuttgarter Zeitungen am 8. April, setzt sich Verkehrsminister Winfried Hermann wieder einmal mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21 auseinander. Eine ganze Reihe von Aussagen ist ungenau oder gar schlichtweg falsch. In einer umfangreichen Stellungnahme, die den am Projekt Beteiligten vorliegt, rückt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Baden-Württemberg, Thorsten Krenz, die Fakten wieder zurecht.

Seine zusammenfassende Aussage: „Zunächst möchte ich unmissverständlich klarstellen: Das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm leistet einen
enormen Beitrag für die Mobilitätswende im Südwesten; bereits mit Inbetriebnahme der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm in diesem Dezember steigern wir die Attraktivität der klimafreundlichen Schiene in hohem Maße. Mit dem künftigen Stuttgarter Hauptbahnhof und seinen Zulaufstrecken bieten wir Reisenden im Zuge von Stuttgart 21 von Dezember 2025 an ein Angebot, das um ein Vielfaches besser ist als heute. Zudem ist Stuttgart 21 unverzichtbare Basis für weitere Vorhaben, die auf Grund von neueren verkehrspolitischen Zielsetzungen wie Deutschlandtakt oder Nahverkehrsoffensive in den Folgejahren in Betrieb gehen werden. Dank Stuttgart 21 können wir die Leistungsfähigkeit der Schiene in Baden-Württemberg zukünftig auf ein Niveau heben, das sich zu Beginn des Projekts noch gar absehen ließ, geschweige denn als Anforderung gestellt worden war.“

Für den Verkehrsminister gilt wohl das abgewandelte Goethezitat aus Faust: „Es irrt der Mensch, so lang er lebt, wenn er nach dem Falschen strebt.“  

Der verkehrspolitische Sprecher der Regionalfraktion, Landrat a.D. Bernhard Maier, nimmt in einer der Stuttgarter Zeitung zugeleiteten Pressemitteilung Stellung zu den Aussagen von Minister Hermann:

„Die Aussagen von Verkehrsminister Hermann im Interview mit der StZ vom 8. April zu S 21 und dem Bahnknoten Stuttgart sind empörend. Sie sind in weiten Teilen falsch, inkorrekt und nicht nachvollziehbar. Sie sind in allen Einzelpunkten vom Bahnbeauftragten Thorsten Krenz sachlich und überzeugend widerlegt. Das Erwiderungsschreiben liegt mir vor. Dabei wird deutlich, dass der künftige Bahnknoten Stuttgart alle Voraussetzungen erfüllt, die, selbst bei der Ursprungsplanung noch nicht bekannten, verkehrspolitischen Zielsetzungen, wie Deutschlandtakt und Nahverkehrsoffensive erfolgreich umzusetzen. Alle jetzt vorgesehenen Maßnahmen wie P-Option (der am stärksten belastete Zulauf wird gestärkt, indem ein 3. und 4. Gleis aus Richtung Feuerbach/Zuffenhausen in den Tunnel bei Bad Cannstatt eingefädelt wird)  und Pfaffensteigtunnel als Maßnahmen des Bundes sind, wie dargestellt, ein Glücksfall für die Region. Dies ist auch die erklärte Haltung der Mehrheit in der Regionalversammlung. Es ist völlig unverständlich, wie der zuständige Landesverkehrsminister meint, hier querzuschießen und mit seiner Uraltidee eines ergänzenden Kopfbahnhofs, den niemand braucht, ein Junktim herzustellen. Seine Haltung in all diesen Punkten schadet dem Fortschritt des Bahnprojekts.

Er ist erkennbar von seiner offenbar nicht heilbaren „S 21-Phobie“ geleitet. Es wird Zeit, ihn an seinen Amtseid zu erinnern, seine „Kraft dem Wohle des Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden“. Er macht das Gegenteil!

Von der Stuttgarter Zeitung hätte ich allerdings auch erwartet, dass die eklatanten Widersprüche des Ministers, wie sie sich aus der Stellungnahme des Bahnbeauftragten klar ergeben, sauberer herausgearbeitet werden.“

 



    • 25.05.2022
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    • 22.06.2022
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    • 29.06.2022
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